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Warum Meerschweinchenbabys unbedingt 12 Wochen

bei erwachsenen Artgenossen leben sollten



Meerschweinchen sind nun mal Nestflüchter. Wenn sie geboren werden, haben sie sogar die Milchzähne
 noch im Mutterleib verloren und schon die bleibenden Zähne. Sie sind vollständig ausgebildete
 Mini-Meerschweinchen, mit Haaren, offenen Augen etc. Überlebensfähig sind sie sofort,
 sie brauchen nur 1-2 Wochen ergänzend Muttermilch bis die Darmflora vollständig funktioniert
 und für ein paar Antikörper gegen die wichtigsten Krankheiten - fressen aber schon
 wenige Stunden nach ihrer Geburt feste Nahrung.

Wenn ich da einen Vergleich ziehen sollte entsprechen sie etwa einem Kind im Grundschulalter,
 einem Hundewelpen der gerade so weit ist, dass er zum neuen Besitzer ziehen kann, einem Mäusebaby mit 5-6 Wochen.

Nur: Im Mutterleib lernen Meerschweinchen nichts. Und das ist das große Problem.
Alles, was sie nicht durch die Instinkte festgelegt haben müssen sie sich von
Artgenossen abschauen, und da reichen einfach vier Wochen nicht aus, das ist zu kurz.

Viele Jungtiere sind bei neuen Halter noch nicht mal an mehrere Gemüsesorten heran geführt,
 weil es eben notwendig ist, dass sie in ihrer Gruppe sehen, wie andere erwachsene Schweinchen
und/oder ihre Mama verschiedene Gemüsesorten fressen. Haben sie das nicht abschauen
 können, dann müssen sie erst mühsam und langsam raus finden, was sie fressen können und was nicht.

Wenn das fehlt bleiben sie ihr gesamtes Leben sozial schwer verkrüppelt, können ihre
 eigene Sprache nicht, wissen nicht, wie sie Konflikte beilegen können, erkennen es nicht mal,
 wenn ein anderes Schweinchen sich ihnen überdeutlich unterwirft. Sie können nicht einschätzen,
 was andere Meerschweinchen von ihnen wollen, wenn sie sich deutlich verhalten
 und stehen neben jedem Artgenossen ungefähr so da, wie ein Hund vor einer fauchenden Katze.

Man nimmt ihnen einfach jede Möglichkeit mit Artgenossen zu kommunizieren und damit
 einen ganz wichtigen Teil ihres Verhaltens. Meerschweinchen haben ein ähnlich komplexes
 Gruppenverhalten wie Pferde. Das muss eben auch erlernt werden, und gerade
 bei Hengsten ist es da ja auch durchaus nicht immer einfach - deswegen werden so viele kastriert.

Leider sind Meerschweinchen aber mit den 12 Wochen die sie bei erwachsenen Tieren
 leben sollten einfach keine Babys mehr. Sie sehen dann kein bisschen mehr aus wie Babys,
 sondern sehen aus wie erwachsene Tiere, nur ein wenig kleiner.

Wer Jungtiere will und deswegen zum Züchter geht, der will eben richtig junge Jungtiere,
 sonst kauft er im Zoohandel. Wem es auch recht ist, wenn seine Meerschweinchen "schon"
ein Jahr alt sind, der geht sowieso ins Tierheim, bei einer Lebenserwartung
von bis zu 9 Jahren ist ein Jahr ja auch noch kein Alter. Nur sind es eben keine Babys mehr,
ebenso wenig wie Jungschweinchen von 3 Monaten, die erst dann wirklich in einem
 Alter sind, in dem man sie ohne erwachsene Artgenossen halten kann.

Das ändert aber alles nichts an der Tatsache, dass man Babys die ohne Erwachsene
 aufwachsen schwer schädigt. Und das macht es auch kein bisschen besser.

Daher sollte man unbedingt drauf achten, dass man egal woher nur Meerschweinchen
 kauft, die lange genug bei Artgenossen waren, oder sie schnellstens
in eine bestehende Gruppe mit älteren Tieren integrieren.

Text zur Verfügung gestellt mit freundlicher Genehmigung von Susanne Collins, Nürnberg




Erzieherschweinchen


Meerschweinchen haben ein sehr komplexes Sozialverhalten untereinander,
eine Sprache, die absolut individuell ist und die ihnen nur ein Artgenosse beibringen kann.
Erlernen Sie diese Sprache nicht, werden spätere Vergesellschaftungen ein echtes Problem,
da die Tiere sich schlichtweg nicht verstehen. Sollte dann irgendwann mal ein Tier versterben,
hat das andere wirkliche Schwierigkeiten einen Freund zu finden.

Sie lernen auch andere Dinge, wie "was darf ich essen". Ohne dieses Wissen wird es schwer
eine ausgewogene Ernährung anbringen zu können. Die Tiere fressen es einfach nicht und
es bleibt liegen. Vitaminmangel kann die Folge sein.
 

Ein Erzieher schlichtet auch Streit in der sogenannten Rappelphase (=Pubertät).
Ist kein Erzieher vorhanden besteht die Gefahr, dass sich die Tiere komplett zerstreiten
und nicht mehr zusammen gehalten werden können. Diese Gefahr ist besonders bei
reinen Bockgruppen sehr real, aber auch in einem Harem kann es zu Problemen kommen.

Text zur Verfügung gestellt mit freundlicher Genehmigung von Katrin Harder, 2017

 

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