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Ich möchte nur einmal Babies haben!

Dazu möchte ich mir einen Bock ausleihen...


Grundsätzliche Überlegungen VOR dem Umsetzen dieses Wunsches in die Tat:

- Wie alt sind die Schweinchen und wo kommen sie her?
 
Je nachdem wo sie her kommen muss man auch die Farbe berücksichtigen.
Alles Details, die für Geburt sowie für das Leben der Babys und Mutter nicht unwichtig sind. Sind die Mädel bereits älter
als 8 Monate, kommt eine Trächtigkeit nicht mehr in Frage, da das Becken nicht mehr elastisch genug wäre ("verknöchert")
und eine natürliche Geburt evtl. nicht mehr möglich wäre. Ein rechtzeitiger Not-Kaiserschnitt wäre dann ggf. die
einzige Möglichkeit, die Mutter und die Jungen im Notfall noch zu retten - das ist äußerst kostspielig
und nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Kostenpunkt mindestens 90 Euro!

Ferner sollten Gewicht und Kondition der Sau im Rahmen liegen, mind. 750 gr und max. 900gr, alles andere könnte
Komplikationen wie Wachstumsstörungen bei Mutter und Jungtieren, Geburtsprobleme und Toxikose begünstigen.
Was eine Toxikose ist, woran man sie erkennt und was man dann umgehend tun muss gehört auch zu dem Grundwissen um die Zucht.

Toxikose
Die hochtragende Dörte mit Toxikose, leider mußte sie erlöst werden. Auf dem Röntgenbild
konnten nur noch
unscharf Babys gesehen werden, sie war daran sie zu resorbieren. Diagnose: Sepsis, ein Kaiserschnitt kam nicht mehr in Frage.
Foto zur Verfügung gestellt von Johanna Nusser.




Zu guter letzt die Abstammung - kommt die Sau aus einer Hobbyzucht, mit Abstammungsnachweis und wurde
dort auch als grundsätzlich körperlich zuchtgeeignet eingestuft?

Wenn nicht, warum ist dies nicht so (zu klein, Erbkrankheiten in der Linie, Probleme in der Zuchtlinie oder "nur" optische Aspekte?)?

Oder ist sie aus einer beliebigen anderen Quelle, wo nicht auf Ahnen und Abstammung geachtet wurde?

In diesem Fall sollte man von einer Belegung absehen - denn selbst wenn der Bock als
zuchttauglich einstufen wurde - wer weiß was bei der Mutter alles drin ist.

Ferner sollte man das Grundwissen über Handaufzucht vorher erwerben - bei Meerschweinchen sind Probleme bei der Aufzucht
(gerade bei Verpaarungen außerhalb planmäßiger Zuchten) schon fast eher die Regel, als die Ausnahme.
Angefangen bei einzelnen schwachen Jungtieren, bis hin zu dem Tod der Mutter kurz nach der Geburt.

Der Halter muss sich sich selber diese Frage beantworten:

Möchte ich das Leben meiner Meeri-Dame bewusst aufs Spiel setzen, um einmal Nachwuchs zu haben
und kann ich seelisch all das ertragen, was im schlimmsten Fall auf mich zu kommt?
Wie ist die finanzielle Seite? Bin ich bereit, hunderte Euro für den tierärztlichen Notdienst und Operationen zu berappen?

Wenn all das positiv geklärt werden könnte und von der Seite aus grünes Licht für eine Verpaarung gegeben
werden könnte - was ist denn mit den Jungtieren? Wenn schon jetzt kein Platz für EIN weiteres Schweinchen ist,
 wie sieht es dann mit schlimmstenfalls 6 jungen Böcken aus?

Der Markt ist bereits jetzt überladen, "Züchter" schießen wie Pilze aus dem Boden, manche durchaus seriös,
mit Sachverstand und Zuchtziel, andere ohne Plan, einfach drauf los. Dazu kommen die ganzen ungewollten
oder lästig gewordenen Tiere, ungeplante Trächtigkeiten, Überbleibsel aus Haltungsaufgaben - es ist unheimlich
schwierig "Normale-Böcke" zu verkaufen, es sei denn, man schraubt seine Anforderungen herunter, und verscherbelt sie für 5 Euro.

Bei Rassetieren sieht es geringfügig besser aus, aber auch da ist der Markt hart umkämpft - selbst der
durchschnittliche Liebhaber stellt schon Ansprüche an Qualität und Abstammung, Züchter sowieso.
Bunte, rasselose Glatthaar-Meeris laufen nicht besonders gut - es sei denn man nimmt bewusst in Kauf,
dass Tiere ein Einzelhaltung oder bei einem Kaninchen landen, in Mini-Käfige gesteckt werden oder ähnliches.

Abgesehen davon ist es nicht besonders verantwortungsbewusst diesen überladenen Markt bewusst als Liebhaber
noch anzuheizen, weil man einmal Babys haben möchte. Jede überflüssige Verpaarung ohne definiertes Zuchtziel
sollte daher vermieden werden, bei Züchtern ebenso wie bei Liebhabern - süße Meerschweinchenkinder
einmal selbst zu erleben mag zwar reizvoll sein, aber Meerschweinchen-Babys bleiben auch nur ca. 4 Wochen süß,
dann machen sie Arbeit!

Die Böckchen müssen rechtzeitig von der Mutter und anderen Damen getrennt werden,
brauchen aber einen männlichen, erwachsenen Erzieher für das Sozialverhalten.
Wenn keiner im Haushalt lebt, sollte über ein männliches Leihmeerschweinchen nachgedacht werden,
dass aber auch Ansprüche an den Platz stellt. Die Jungböcke könnten dann mit 10-12 Wochen zu zweit vermittelt werden,
 beanspruchen aber bis dahin mindestens 0,5 m² - besser 1m² - pro Nase. Die Tiere aus Platz und Kostengründen
früher zu zweit abzugeben wäre gegenüber den erst gewollten Babys nicht fair.
(Mädels sollten im Übrigen auch bis mind. bis zur 10. oder besser 12. Woche ein erwachsenes Weibchen dabei haben).

Nicht ganz vergessen sollte man auch, dass jeder Bestandswechsel, egal in welche Richtung, das Risiko
der Verschleppung von Krankheiten mit sich bringt. Außerdem bedeutet dies großen Stress
für den geliehenen Bock!

Der Text wird mit freundlicher Genehmigung von

B.Weyel verwendet!



Ein Link zum weiteren Lesen !


Achtung, nun wird es grausig!
Bei schwachen Nerven bitte nicht ansehen...







Am 20. März 2015 brachte Ida fünf Junge zur Welt. Sie stammte aus einer Haltung, in der keine
Geschlechtertrennung vorgenommen und so Nachwuchs in Kauf genommen wurde.
Ida war also ständig tragend und gebar eines ums andere Mal Junge.
Selbst nur 600 g schwer, zehrte sie dieser Kraftakt so sehr aus, das sie diesen Wurf zu früh
geboren hat. Vier der Jungen waren tot, ein fünftes lebte nur wenige Minuten
und verstarb in unseren Händen mit 28 g Körpergewicht. Die folgenden Fotos sind nichts
 für schwache Nerven, sollen aber als eine Mahnung an all diejenigen gelten, die
vorhaben "nur einmal Babies" haben zu wollen.
Die Mutter starb 8 Tage später an den Folgen einer Trächtigkeitstoxikose!

Idas Babies  Idas Babies
                  2

Dieses Jungtier zerriß es bei der Geburt. Seine Mutter wurde mit 4 Jahren zum ersten Mal gedeckt.
Leider starb die Mutter wenige Tage später. Die Beckenbänder waren gerissen und das Becken beschädigt.
Auch der beste Tierarzt konnte nicht mehr helfen!

Zerrissen!
Foto zur Verfügung gestellt von Martina Aschenbrenner.

Steinfrucht  Steinfrucht 1
Sogenannte "Steinfrüchte", im Mutterleib mumifizierte Junge. Fotos zur Verfügung gestellt von Jacqueline Münch.




Sollten diese erschreckenden Bilder Ihnen nicht Grund genug sein,
von Ihrer Absicht zur Vermehrung abzulassen?







Link: Gegen Vermeeeeeeeerung und einfach nur mal Babies haben!










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