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Warum gute Gehegesicherung in Aussenhaltung so wichtig ist!


Video "Wildes Hamburg"
Fressfeinde des Hausmeerschweinchens im heimischen Garten

Ein immer wiederkehrendes Thema in der Heimtierhaltung ist die Aussenhaltung und deren Sicherheit im Freien.
Obwohl dieser Aspekt auf nahezu sämtlich Informationsseiten angesprochen wird und selbst in veralteten Büchern 
erwähnt wird, geschehen immer wieder Fehler - absichtlich (aus Gleichgültigkeit oder Leichtsinnigkeit) oder
unabsichtlich durch fehlendes oder gar falsches Wissen über mögliche Gefahren. Von grundlegender Bedeutung für eine sichere Aussenhaltung ist es seine Gegenspieler - egal ob 2- oder 4-beinig - zu kennen.
Dabei fallen ganz oft gravierende Mängel im Wissen um unsere Natur auf - die wenigsten kennen den Unterschied zwischen
Stein- und Baummarder, wissen um das Jagdverhalten des Habichts oder kennen unseren kleinsten heimischen Marder. Und auf eine Gefahr die man nicht kennt kann man sich nicht vorbereiten. Daher wollen wir Sie - liebe Meerschweinchen-Freunde - nun auf eine kleine Exkursion einladen ... Zunächst wollen wir eine Ausgangssituation schaffen....
Stellen Sie sich bitte ein Aussengehege vor, wie Sie es verwenden würden.
Auslaufgehege
Quelle: http://www.zooplus.de/shop/nager_kleintiere/freigehege/metall/8eckig/175362 Die Gitterelemente sind im Boden verankert, oben drüber ein Netz... Doch nun zum eigentlichen Thema. Der wohl bekannteste Feind unserer Heimtiere ist der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ein Raubtier aus der Familie der Hundeartigen. Jeder kennt ihn - aber wie gut? Tatsächlich steht in vielen Ratgebern, dass Kleintiere des nachts in sicheren Ställen untergebracht werden sollen,
aber leider ist Vulpes vulpes ein Räuber, der zu allen Tageszeiten aktiv ist. Auch Tags, im Hellen. Der Rotfuchs ist zudem ein Kulturfolger - während Wolf, Luchs und Wildkatze in der Nähe der Menschen ausweichen,
fühlt sich der Fuchs in unserer Nähe wohl. Selbst in dicht besiedelten Großstädten leben die Füchse unter uns. Nur weil man nicht sieht, heißt das nicht dass sie nicht da sind.

Rotfuchs
Foto Rotfuchs: Quelle siehe unten!

Auf seiner Suche nach Nahrung kann sich der Fuchs nicht nur unter Zäunen durchgraben, sondern überwindet
auch Zäune von bis zu 2 m Höhe. Muss er in einen Stall so kann er Kräfte entwickeln um durch Gitter, Türen
oder ähnliche Barrieren zu gelangen - selbst wenn der Kleintierstall nicht aufgeht, dennoch ist so etwas ein Schock für die Bewohner. Die zweite etwas größere Gruppe der potentiellen Feinde sind die Marderartigen. Hier gibt es große Wissenslücken bei den meisten Haltern, die wieder und wieder Leben fordern. Wird im Allgemeinen vom Marder gesprochen (den Marder gibt es dennoch nicht, es gibt mehrere Arten),
so meint man den Steinmarder, ein dämmerungs- und nachtaktives katzengrosses Tier, dass dafür bekannt ist,
Autos bzw. deren Schläuche zu knacken. Marder können gut klettert - ein hoher Zaun ist daher kein Hindernis. Ihr kräftiges Gebiss kann zu dünne verzinkte
Drähte oder einfachen ummantelten Kaninchendraht problemlos durchtrennen und so in Tiergehege gelangen. Auch wühlen und graben kann er - zwar nicht so gut wie ein Fuchs, aber immerhin.
Steinmarder
Foto Steinmarder: Quelle siehe unten!
Dem Marder wird die Eigenschaft des Blutrausches (das Töten sämtlich Tiere in einem Stall sowie das Aussaugen des Blutes) nachgesagt. Das ist allerdings veraltet und so nicht ganz richtig. Beutegreifer haben einen gewissen Jagdtrieb (Hundehalter anwesend?
Ihr wisst wahrscheinlich was gemeint ist), d.h. wenn ein Tier, welches von der Größe ins Beuteschema passt sich schnell
weg bewegt, löst dieser Reiz das Jagdverhalten aus. Gerät ein Marder z.B. in einen Hühnerstall, so werden die Hühner panisch durcheinander flattern - ein Vielzahl von Reizen,
und erst wenn das letzte Huhn in diesem beengten Raum tot ist, wird der Jagdtrieb Ruhe geben. Mitnehmen oder auffressen
wird der Marder dann aber nur ein einziges Opfer, mehr kann er nicht tragen. Mal angenommen, ein Hund würde sich in einen Hühner Stall verirren - oder eine Katze würde in eine Ziervogelvoliere geraten ...
Beide Tiere würden auch tabula rasa machen - würde man dann von Blutrausch reden? Nein, denn für diese beiden Arten empfinden wir Empathie, während für viele der Steinmarder ein gemeiner, dummer, blutrünstiger Killer ist... In einer normalen Situation würde der Marder nach einer gewissen Menge an Beutetiere die Jagd einstellen - da er seine
wertvollen Ressourcen nicht darauf verschwenden kann, Tiere zu jagen und zu töten, die er nicht für sein Überleben braucht. Und das Blut saugt der Marder seinen Opfern auch nicht aus, er ist nicht mit Vampiren zu verwechseln. Der Mythos des Blut aussaugens könnte dadurch entstanden sein, dass man Marder dabei beobachtet hat, wie sie an
Blutlachen getöteter Tiere geleckt haben. Also ganz normales Beutegreiferverhalten. Neben den Kulturfolger Steinmarder gibt es den wesentlich selteneren Kulturflüchter Baummarder. Dieser ist selten ein solchen Vorfällen in der Heimtierhaltung beteiligt.

Baummarder
Foto Baummarder: Quelle siehe unten!

Die wenigstens Menschen erkennen aber das wohl größte Sicherheitsrisiko für Kleintiere, die kleinen Vettern der Marder, die Wiesel. Klein, flink, klug und wenig scheu, tag- wie nachtaktiv und mit gut ausgeprägtem Jagd- und Spieltrieb. Während das größere Hermelin auch große Beutetiere mit seinem extrem auffälligen (und - mal ganz nebenbei gesagt - recht sehenswerten)
Jagdverhalten überwältigen kann, gelangt das Mauswiesel auch durch kleinste, winzige Löcher und Spalten.
Kaum einer hat die beiden Arten gesehen (ich habe beide Arten schon tot wie lebendig mehrfach in freier Wildbahn gesehen
und z.T. beobachtet) und genau so wenige wissen, dass sie überhaupt hier leben.

Hermelin Wiesel Hermelin im Winterpelz
Foto Hermelin: Quelle siehe unten! Foto Wiesel: Quelle siehe unten! Foto Hermelin im Winterpelz: Quelle siehe unten!

Ich wusste es auch nicht, bis zum Tag X... Nun zu den beiden Arten im Speziellen: Das Hermelin ist das größere der beiden Tiere, bekannt durch sein weißes Winterfell mit der schwarzen Schwanzspitze,
was ihm früher als begehrtes Pelztier zum Verhängnis wurde. Das Hermelin ist nur etwas halb so groß wie ein Steinmarder, aber nicht weniger gefährlich für Kleintiere.
Bei der Jagd tanzt es seine Beute mit hüpfen, wälzen, Haken schlagen etc. in Trance (Schreckstarre),
bis es dann sein Opfer im Nacken packt und tötet. Dabei geht es auch an deutlich größere Beute wie Kaninchen,
nicht immer ist das Opfer bereits tot, wenn es angeknabbert wird. So bleiben dann oftmals nur angeknabberte tote
oder noch lebendige Opfer zurück. Das Hermelin ist nur wenig menschenscheu und "wieselflink" - kein leichter Gegner in der Heimtierhaltung.

Das noch kleinere Mauswiesel ist kleiner als eine Ratte und kommt entsprechend durch jedes Loch, durch das auch eine Maus passt. Auch wenn es überwiegend Jungtieren zur Gefahr wird, würde ich mich nicht darauf verlassen, dass es sich
 - bei entsprechend großem Hunger - auch an einem größeren Schweinchen vergreift.

Mauswiesel
Mauswiesel Foto: Quelle siehe unten!

Neben den gängigen Marderartigen gibt es noch weitere seltene Arten, die nur der Vollständigkeit halber genannt werden sollen: Den heimischen Iltis, den europäischen Nerz und den amerikanischen Mink.

Iltis Nerz Mink
Iltis Foto: Quelle siehe unten! Nerz Foto: Quelle siehe unten! Mink Foto: Quelle siehe unten!

Über letzteren kommen wir zu den nächsten potentiellen Gefahren, ebenfalls eingewandert aus Südamerika. Vielen bekannt als lästiger Gast und Mülltonnenplünderer ist der Waschbär, der mit seinen Pfoten auch einfachere Verschlüsse
öffnen kann und Tags wie nachts in seinem Revier unterwegs ist.

Waschbär Waschbärverbreitung
Waschbär Foto: Quelle siehe unten!

Etwas unbekannter und scheuer ist der Marderhund.

Marderhund
Marderhund Foto: Quelle siehe unten!

Diese Exoten sind mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet - und insbesondere der Waschbär
lebt auch in Orten oder in unmittelbarer Nähe zum Menschen.


Fortsetzung folgt...

Text mit freundlicher Genehmigung von Britta Weyel, 2016

Bilderquellenangaben:

Rotfuchs: Von Martin Mecnarowski (http://www.photomecan.eu/) - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12691003
Steinmarder: Von I, Atirador, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2366751
Baummarder: Von Dani Kropivnik - http://sl.wikipedia.org/wiki/Slika:34061IMG_2141-Net.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2590318
Wiesel: http://herz-fuer-tiere.de/sites/herz-fuer-tiere.de/files/Wiesel_Fotolia_23083250_XS.jpg
Hermelin: Von James Lindsey at Ecology of Commanster, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1621842
Hermelin im Winterpelz: Von Frank Vassen from Brussels, Belgium - Hermelin (Mustela erminea), Holzwarchetal bei Mürringen, Ostbelgien, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=43770115
Mauswiesel: Von Keven Law - originally posted to Flickr as On the lookout..., CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4580080
Iltis: Von Malene Thyssen - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=396329
Nerz: Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=561988 Mink: http://animaliaz-life.com/image.php?pic=/data_images/mink/mink1.jpg
Waschbär: Von Quartl - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8470454
Waschbär Verbreitungskarte: http://www.diewaschbaerenkommen.de/assets/images/gesamtkarte.gif
Marderhund: Von I, Pkuczynski, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2346388