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Vergesellschaftung



Wilde Meerschweinchen leben in ihrer Heimat in Harems zusammen. Wer neu dazu kommt wird meist
als Jungtier in die Gruppe hineingeboren. Es kommt praktisch nie vor, dass ein Tier von
außerhalb in eine bestehende Gruppe neu aufgenommen wird.
In diesen Gruppen existiert eine feste Rangordnung. Jungtiere erarbeiten sich im Laufe
ihres Erwachsenwerdens (Adoleszenz) mit der Zeit einen höheren Rang, der sich mit fortschreitendem Alter festigt.

Das Hausmeerschweinchen wird von uns Zweibeinen zu Gruppen zusammengefügt.
Ein Gehege hat beschränkte Ausmaße und damit auch eingeschränkte Fluchtmöglichkeiten.
Deshalb ist es wichtig den Tieren ein möglichst großes Gehege ab 2 m² zur Verfügung zu stellen.
Die Einrichtungsgegenstände sollten keine Engstellen hervorrufen.
Häuser mit nur einem Eingang sind deshalb völlig ungeeignet. Ersatzweise können Heuhaufen während
der Vergesellschaftung eine gute Alternative zu Häusern bieten. Ideal ist eine Mindestgehegebreite
von 80 cm und eine Rennstrecke von mindestens 2 m. Meerschweinchen tragen viele
Rangordnungsstreitigkeiten durch Rennerei aus, deshalb ist viel Platz wichtig!

Im Gegensatz zu Kaninchen bilden Hausmeerschweinchen keine Reviere. Deshalb ist es unnötig das
Gehege zu putzen, zu schrubben oder auf „neutralem Boden“ zu vergesellschaften.
Die Rangordnung muss ausdiskutiert werden und da ist es ganz egal, wo sie stattfindet.
Viel Frischfutter verteilt im Gehege sorgt für Ablenkung. Wer satt ist, hat kaum Lust zum Streiten!

Notfall 2

Die meisten Neuergesellschaftungen scheitern nicht an den Tieren, sondern an deren Haltern.
Die Tiere reißen drohend die Köpfe hoch, sträuben das Fell, bromseln, fauchen, scharren in der Einstreu und klappern mit den
Zähnen um sich Eindruck zu verschaffen. Reagiert das Gegenüber nicht mit defensiven Gesten z.B. mit Gähnen
oder mit einem Rückzug, dann kann es durchaus vorkommen, dass zwei Fellnasen
kurzzeitig eine Fellkugel bilden und dass Späne und Fell fliegen.

Spätestens jetzt verzweifeln viele Halter, aber es sieht schlimmer aus, als es ist.
Bitte nicht eingreifen und die Tiere einfach machen lassen.
Bitte niemals mit bloßer Hand zwischen die streitenden Meerschweinchen greifen!
MS schließen beim Angriff die Augen und können uns dabei übel mit ihren Nagezähnen verletzen.
Die Tiere selbst haben ein schützendes Fell, meist kommt es nur zu kleinen Macken.
Dabei sind ein Knabs an Nase, Lippe, Ohr oder Po durchaus als normal zu betrachten.

Erst wenn sich der Streit über Tage erstreckt, die Tiere kaum zum Fressen kommen oder
mehr als 50 g pro Woche abnehmen, sollte über eine Beendigung des Vergesellschaftungsversuches nachgedacht werden.

Zitat Heike Appelhagen/Salatkiller Bremerhaven: ..."Jedes Eingreifen des Menschen in diese Rangordnungskämpfe macht alles
nur noch schlimmer. Trennt man z. B. Tiere, die sich bekämpfen ständig, um sie dann doch wieder zusammen zu setzen, bedeutet
das enormen Stress für die kleinen Fellmonster. Sie machen nämlich bei der nächsten Begegnung nicht an der Stelle weiter,
wo sie aufgehört haben, sondern beginnen ihre Rangstreitigkeiten immer wieder von vorne!
Man sollte die Tiere also nur dann trennen, wenn man beabsichtigt, dies dauerhaft beizubehalten. Alles andere wäre sinn- und zwecklos."...


Sensible Gemüter sollten lieber einer anderen Freizeitbeschäftigung nachgehen,
als dem Spektakel beizuwohnen. Meist kehrt nach wenigen Stunden Ruhe ein und der Halter
kann im Zweifel Schadensbegrenzung betreiben und eventuelle Verletzungen verarzten. In der Regel ist das aber gar nicht nötig!

Noch ein Wort zum Schluß: Es hat keinen Zweck die Schweinchen mit stark durftenden Parfümen oder Pipi einzuschmieren.
Diese Aktion stört lediglich die innerartliche Kommunikation und führt kurzzeitig zu Verwirrung.
Innerhalb kürzester Zeit ist aber der Geruch verflogen und selbst das dusseligste
Schweinchen begreift, dass da ein neuer Artgenosse angekommen ist.



Vergesellschaftung1      Vergesellschaftung2
Videos, klicke auf das Foto!
© Heike Appelhagen/Salatkiller Bremerhaven


Video 1: Eine Vergesellschaftung von 6 Böcken: Lester (schwarz-weisse Rosette)
versucht die anderen zu unterwerfen. Video (ca. 25,2 MB)
Video 2: Eine Vergesellschaftung von 1 Kastraten mit 3 Weibchen: Ginny (creme-weisses US-Teddy-Mädel)
versucht sich gegen den Kastraten aufzulehnen. Video (ca. 17,2 MB)

Sollten Sie die Videos nicht sehen können, versuchen Sie es hier!

Video1      Video2
Videos, klicke auf den Button!


Externer Link zur Vergesellschaftung der DMSL mit Video
Die zu Bockgruppen dort getätigten Äußerungen können wir nicht bestätigen!


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